https://dichtungsring.org/

 

Gefangen in der Welt des geschriebenen Wortes

 

Sie war von Kindheit an ein Naseweis, eine Geschichtenerfinderin, eine Plaudertasche, und endlich groß genug für die Schule, im Lesebuch stand die Stehleiter unterm Apfelbaum, Mama, ich kann schon A, mit dem Alphabet war der Grundstein gelegt zur Leseratte, zum Bücherwurm, zur Tagebuchschreiberin, zum späteren Berufswunsch. Eine Dichterin wollte sie werden und mit Wörtern jonglieren, Buchstaben tanzen lassen, Verse reimen, mit Bildern, Symbolen, Metaphern spielen und sich auf mentale Zeitreisen begeben, wie gesagt, die Geburtsstunde ihrer Schreiblust war der erste Schultag, das mündete in ein Germanistik-Studium mit dem Ziel ihre Brötchen in der Welt des geschriebenen Wortes zu verdienen, jedoch

 

dann landet man da, wo man eigentlich nicht sein will, in einem muffigen Klassenzimmer und gibt Deutsch-Nachhilfe an lustlose Jugendliche, die verknöcherter Grammatik den Stinkefinger zeigen, wofür man beinahe Verständnis hat, denn in den Ohren echot der 68er-Spruch Schlagt die Germanistik tot, färbt die blaue Blume rot, denn ...

 

 

< zurück