Mit dem oberirdischen


. . .

Das fahrende Volk in Straßenbahnen und Bussen ist gemischt wie überall. Früh und abends die Berufstätigen zur und von der Arbeitsstelle. Zahlreiche Touristen an den Altstadt-Stationen, erkennbar an suchendem Blick, Fotoapparat, Stadtplan und Reiseführer in der Hand. Viele Schüler morgens und mittags, die in Jugendsprache mit gemäßigtem Dialekt- oder Türkisch/Persisch/Arabisch-Einschlag kommunizieren, wenn sie nicht gerade ihre Smartphones streicheln. Dazu die älteren Leute, die sich entweder anschweigen oder in breitester Nürnberger Mundart über ihre Familie, ihre Nachbarn oder ihre Krankheiten unterhalten.


(In der Straßenbahn. Zwei Nürnberger treffen sich.)

ERSTER Allmächd, der Schorsch. Ja, gräiß di Godd, des is fei schee, dass mir uns übern Weech laafen. (Schütteln sich die Hände) Wäi gäihts denn immer?

ZWEITER (mit Leidensmiene) Frooch ned!

ERSTER Warum ned?

ZWEITER Frooch ned, wos iech hinder mir hob.

ERSTER Wos denn?

ZWEITER Aafgschniedn homs mi.

ERSTER (entsetzt) Aafgschniedn? Echt? Wou?

ZWEITER Ja, dou undn rum, du waaßt scho ....

ERSTER (mitleidig) Dou undn? Des is ka Honichschleggn, dou konn allerhand bassiern.

ZWEITER Dou host rächd. Aan Millimeter daneben und ma singt im Knabenchor.

ERSTER (grinst) Des is wohl dei größte Sorch, dübbisch, du bist immer nu derselbe Hallodri.

ZWEITER (lacht verschämt) Ma doud, wos ma ko.

ERSTER Wär aa schod drum! Däi höllischen Schmerzn wünscht ma seim schlimmsdn Feind ned. Kombledd grädert ist ma, kaan Appedid, blous an Dorscht wäira ganzer Gsangsverein, und ka Bier, blous an Dee. Dou dernoch kannsd ewich kan Dee mehr sehgn.

ZWEITER (überrascht) Soch blouß, du hast aa ...?

ERSTER (schüttelt heftig den Kopf) Iech? Na, iech doch ned! Obber mei Fraa hat a Underleibsgschicht hinder sich.

ZWEITER: Na, waaßt, des gild obber ned, des woarn goar ned deine Schmerzn.

ERSTER Ma fühlt ja mied mit seiner Fraa. Du ned?

ZWEITER Iech hob kanne mehr.

ERSTER Host es iebertriebn mit deim Hallodri-Lebm?

ZWEITER Des ned, bei mir is des normal. Obber af amol mahnd sie, wos iech derf, derf sie aa und is fremdganga, einfach su.

ERSTER Dei Fraa!?!? Däi hot si wos draud!

ZWEITER Gell, des sagst aa, dass des ned ...

ERSTER Wos? Allmächd, scho Kulnhuuf. (Steht ächzend auf) Ezzadla hädd i fast aufs Aussteign vergessn. Etz bressierds obber! Ade, Schorsch, und bleib gsund. (Stolpert hinaus)

ZWEITER (ruft ihm nach) Ade, Fritz, und derhutz di ned.


MORAL: Wenn zwei dasselbe tun, ist es noch lange nicht dasselbe. Und wenn einer zweimal dasselbe tut, ist es höchstens das gleiche. Wenn nicht überhaupt nur etwas entfernt Verwandtes.